Üble Tricks in Auktionshäusern und auf Online-Marktplätzen

Wer hat nicht schon mal versucht, über eine Auktion ein günstiges Schnäppchen zu erwerben. Doch man muss sich vollkommen im Klaren sein, dass genauso auf der anderen Seite der Auktion jemand ist, der nichts zu verschenken hat! Und so kommt es im Interessenkonflikt der beiden Auktionsseiten immer öfter zur Anwendung übler Tricks, die oftmals von den Auktionsplattformen selbst gar nicht sofort verhindert werden können.

Einer der bekannteren Tricks ist ein Abbruchjäger! Hier will der Bieter den Anbieter hintergehen um nicht zu kaufen sondern Geld zu generieren, denn von verdienen kann nicht mehr die Rede sein! Der Bieter gibt in diesem Fall niedrigste Gebote auf zahlreichen Auktionen mit minimalen Einstiegsgeboten ab und erhofft den Zuschlag für sein niedriges Gebot zu bekommen. Bieten keine anderen Käufer mit, müsste der Verkäufer sein Produkt zu diesem niedrigen Gebot verkaufen. Oftmals reagieren die Verkäufer aber dann mit einem Abbruch der Auktion vor dem regulären Ende oder teilen einfach mit, dass das Produkt schon anderweitig verkauft wurde. Und genau in diesem Moment sind sie dem Abbruchjäger in die Falle gegangen. Denn dieser verlangt nun Schadenersatzzahlung in Höhe der Differenz zwischen seinem Mindestgebot und dem tatsächlich reellem Marktwert. Der Bundesgerichtshof (BGH) schützt mit einem Urteil den Abbruchjäger, indem er feststellte, dass auch bei einem vorzeitigen Abbruch vor dem Auktionsende ein Vertrag zwischen dem Bieter mit dem Mindestangebot und dem Verkäufer zustande kam. Es sei das Risiko des Verkäufers, wenn er den Artikel zu einem niedrigen Startpreis festlegt. Bei dieser Variante verstößt der Bieter zumeist auch gegen keine Geschäftsbedingungen einer Auktionsplattform.

Eine weitere Möglichkeit wird im Fachjargon "Shill Bidding" - zu deutsch Gebots- oder Preistreiberei - genannt. Hier will der Anbieter den Bieter hintergehen und den Preis künstlich hochtreiben. Zu diesem Zwecke verfügt der Anbieter über ein zweites eigenes Konto auf der Auktionsplattform oder nutzt einen Freund und dessen Konto zum Bieten. Der Anbieter sichert sich somit dagegen ab, dass er das Produkt zu einem zu günstigen Preis verkaufen muss und versucht gleichzeitig existierende Angebote im Preis nach oben zu treiben. Auch hierzu gibt es - sofern es nachweisbar ist - eine klare BGH-Entscheidung, in diesem Fall ebenfalls für den Bieter. Eigen- oder Scheinangebote sind ungültig, der Bieter kann schon deshalb kein Eigenangebot abgeben, da er nicht mit sich selbst einen Kaufvertrag abschließen kann. Somit tritt der letztgültige Angebotspreis in Kraft, der vom echten Bieter abgegeben wurde. Das könnte theoretisch auch wieder das minimalste Eröffnungsgebot sein, das vom Bieter mit 10 Cent überboten wurde. Bei dieser Variante verstößt der Anbieter zumeist gegen die Geschäftsbedingungen einer Auktionsplattform.

Die neueste Variante wird in Form eines Arbitrage-Geschäftes umgesetzt. Es werden Produkte von einem Online-Marktplatz, z. Bsp. Amazon, kopiert und auf einer Auktionsplattform oder einem anderen Marktplatz, z. Bsp. eBay, mit Preisaufschlag eingestellt. Kauft nun ein Verbraucher dieses Produkt auf eBay mit Aufschlag, so bestellt der einstellende eBay-Anbieter (Arbitrageur) das Produkt zu einem günstigeren Preis bei jenem Amazon-Händler mit niedrigerem Preis, von wo er es kopiert hat. Die Differenz ist sein Gewinn. Mittlerweile werden eigene Softwareprogramme angeboten die versprechen, den Amazon-Marktplatz auf die 11.000 meist verkauften Produkte zu scannen. Diese werden dann dem Nutzer der Software angezeigt und dieser braucht nur noch seinen eigenen gewünschten Aufschlag eintragen und mit Knopfdruck auf eBay importieren. Um diesem Business eine komplette Wirtschaftsökonomie zu verpassen, lässt der eBay-Arbitrageur das beim Amazon-Händler gekaufte Produkt gleich auch noch an seinen eBay-Kunden versenden. Sollte ein eBay-Kunde nun nachfragen, warum er das Produkt in einem Amazon-Karton geliefert bekommt, argumentiert der eBay-Arbitrageur damit, dass er der Umwelt zuliebe die im Umlauf befindlichen Kartons wieder verwendet. Möchte ein Kunde das Produkt zurücksenden, so löst der eBay-Arbitrageur beim Amazon-Händler ein Rücksende-Etikette auf dessen Kosten und verlangt vom eBay-Kunden eine Gebühr in Höhe von bis zu 20% des Warenwertes. Somit ist der eBay-Arbitrageur die einzige handelnde Person ohne finanziellem Risiko und immer mit laufenden Einnahmen. Hierzu gibt es aktuell noch kein BGH-Urteil und die Arbitrage-Geschäfte scheinen zulässig, wenngleich sie sich in der Grauzone befinden.

 

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Harald Gschweidl
Harald Gschweidl

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