Amazon verliert Kundenvertrauen durch dynamic pricing

Kennen Sie Dynamic Pricing - übersetzt dynamische Preisanpassung? Hierbei handelt es sich um eine Preisstrategie mittels automatischer Algorithmen, bei der Unternehmen die Preise für Produkte oder Dienstleistungen auf Basis des aktuellen Marktbedarfs anpassen. Unter aktuellen Marktbedarf versteht man u. a. Angebot und Nachfrage oder Preisgestaltung der Konkurrenten.

Amazon übt dieses Preismodell bereits seit langer Zeit aus, obwohl es vom Onlineriesen bestritten worden war. Schlussendlich konnte man dem Unternehmen nicht nur nachweisen, dass dieses die Preise mehrmals täglich ändert, sondern dass ein und dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen verkauft wurde. Doch damit nicht genug, hat Amazon dieses Modell auf personalisierte Preisstrategie perfektioniert.

Am Valentinstag 2015 konnten bei Amazon mehr als eine Million Preisänderungen beobachtet werden, bei einzelnen Produkten schwankte der Preis innerhalb weniger Stunden um bis zu 240%! Im Rahmen einer experimentellen Studie wurden für Preisrecherchen ausgewählte Produkte zeitgleich über unterschiedliche Endgeräte bei Amazon und Wettbewerbern überprüft. Im Ergebnis konnte eine erhebliche Preisdifferenz  von beispielhaft bis zu 300 Euro bei Fotokameras oder Kaffeemaschinen festgestellt werden.

In weiteren Verlauf wurden 500 Personen ab 18 Jahren zum Ergebnis dieser dynamischen Preisfestsetzung befragt. Bei den Befragten stieß man auf eine breite Ablehnung. 44% gaben an, dass Amazon es sich nicht leisten kann, den Kunden entsprechend ihrer Profile unterschiedliche Preise anzubieten. Mehr als 50 Prozent der Amazon-Kunden sind sogar der Meinung, dann nicht mehr beim Onlineriesen einzukaufen.

Eine große Mehrheit der Amazon-Kunden sieht ein Problem in der dynamischen Preisbildung auf Basis des Kundenprofils. Wenn die Kunden das Gefühl haben, dass ihre persönlichen Daten für die Preisbildung „missbraucht“ werden, kann das Kundenvertrauen als größter Firmenasset verloren gehen. Der Schaden ist dann weit aus größer als der Nutzen durch ein One-to-One-Pricing.




Harald Gschweidl
Harald Gschweidl

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